Wendepunkt heißt Richtungswechsel. Ein Wendepunkt macht nur Sinn, wenn der Weg danach auch in die andere Richtung weitergeht. Jesus Christus ist der Wendepunkt in unserem Leben und der feste Boden auf dem Weg mit Gott. Er bringt Gottes Liebe in unser Leben und lehrt uns, in dieser Liebe zu leben. Die drei Bilder unserer Gemeindevision zeigen uns, wie Gott den Wendepunkt zum Programm macht: Wir leben nahbar, kostbar und sichtbar.

„Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe!“   Joh. 15,9 (ELB)

Wer „nahbar“ ist, lässt Andere am eigenen Leben teilhaben. Jesus ist nahbar: Er hat mit Menschen sein Leben geteilt, mit ihnen gegessen, gelitten, hat sich für sie stark gemacht und sie geheilt. Das Größte ist, dass uns Jesus seine eigene Nähe zur Vaterliebe Gottes zugänglich macht. Durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung ermöglicht er uns eine direkte Begegnung mit Gott und ein Leben unter der Herrschaft der Liebe Gottes. Diese Liebe verändert uns und unsere Beziehungen. Sie sucht die Nähe auch zu den Menschen, die uns zunächst unsympathisch oder sogar feindlich gesinnt sind (vgl. Mt. 5,44-45).

Gottes Liebe nennt Missstände beim Namen, behält dabei aber durch alle Unzulänglichkeiten hindurch den Menschen im Blick, den sie bedingungslos liebt.

Gottes Liebe sucht Gemeinschaft. Jesus hat Jünger um sich gesammelt, die selbst über seinen leiblichen Tod hinaus, untereinander verbunden blieben. Wir glauben, dass Jesus auch heute noch Menschen zusammenstellt und in dieser gelebten Verbundenheit seine Liebe ihre Bestimmung hat. Nahbar sein bedeutet, die Gemeinschaft zu pflegen, in die Gott uns hineingestellt hat (vgl. Gal. 5,13-14). Wir bleiben in dieser Liebe. Das heißt, wir bleiben nahbar.

Nahbar sein bedeutet, in geklärten Beziehungen zu leben und den Menschen hinter all seinen Unzulänglichkeiten aufrichtig lieben zu lernen. Der Schlüssel dazu ist unsere Liebe zu Jesus (vgl. 1. Joh. 4, 20-21). Sie leitet uns und nicht unsere Empfindlichkeiten. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, aber: Gemeinde ist keine konfliktfreie Zone.

Sie ist die Versammlung unperfekter, beladener und schuldiger Menschen, die in Jesus ihren Erlöser gefunden haben. Menschen, die sich miteinander von Jesus aus ihren Verhängnissen ziehen lassen und so gemeinsam auf dem Weg Gottes bleiben (vgl. 1. Joh. 1,9).

Wir wollen Konflikten offen begegnen und dabei wahre Vergebung immer als Ziel vor uns haben. Wir wollen nicht übereinander sondern miteinander reden. Wir wollen nicht in innerer Distanz zu den Menschen bleiben, die uns verletzen, sondern die Heilung der Liebe Gottes in Anspruch nehmen. Wir wissen, dass Gottes Friede über unser Urteilsvermögen hinausgeht und sind deshalb in Auseinandersetzungen bereit, uns selbst hinterfragen zu lassen. Darin bleiben wir nahbar und werden nicht überheblich.

„Gott hat einen hohen Preis für euch bezahlt, deshalb werdet nicht Sklaven von Menschen.“   1.Kor. 7,23 (NLB)

Durch Jesu Geist erfahren wir Gottes Liebe zu uns, die uns mit Gott und untereinander verbindet. Wir sind ihm unendlich kostbar. Jesus ist für uns gestorben als wir noch nichts von ihm wissen wollten. Von ihm geliebt zu werden und ihn zu lieben, ist das Kostbarste, das es gibt. Er gibt unserem Leben den Wert, den er für uns von Anfang an vorgesehen hat. Jesu Wertschätzung befähigt uns im Umgang mit anderen.

Anbetung geht über reine Worte hinaus und ist die angemessene Reaktion auf Gottes Liebe. Sie steht im Mittelpunkt unserer Gottesdienste. Anbetung bedeutet, sich ganz auf Gott zu werfen, in jeder Lebenssituation. Sie hat in großer Freude und auch in tiefer Trauer ihren Platz (vgl. Hiob 1,20). Bei Anbetung geht es um unsere Herzen. Wir lassen zu, dass Gott uns ganz und gar bewegt, an Körper, Geist und Seele. Musik hilft uns, Gedanken zu fokussieren, Gefühle zu transportieren und bewegt unsere Körper. Die Worte vergegenwärtigen das, was wir glauben. Unsere Anbetung lässt uns von uns weg auf Jesus blicken. Die Realität Gottes, die unter uns präsent ist, öffnet uns die Augen für seine Schönheit und das Gute, das wir an ihm haben. Wir freuen uns auf ihn, wir empfinden seine Nähe als wertvoll, als kostbar.

Was uns kostbar ist, ist uns wichtig. Dort, wo uns Jesus wichtig wird, werden wir auch ihm gemäß leben. Kostbarkeit drückt sich auch darin aus, dass wir wissen, dass Jesus einen hohen Preis bezahlt hat, um uns für sich zu gewinnen. Wir gehören Jesus und müssen nicht länger nach menschlichem Anspruchsdenken leben (vgl. 1. Kor. 7,23).

Dienst bedeutet für uns nicht, unser Gemeindeprogramm zu bewerkstelligen. Dienst bedeutet zuerst, Menschen in ihrem persönlichen Auftrag von Jesus zu fördern. Dieser individuelle Auftrag hat grundsätzlich den Bau von Gemeinde Gottes als Ziel (vgl. Eph. 4,12), d.h. er führt in tiefere Gemeinschaft mit Jesus und untereinander. Jesus allein ist dabei unser Auftraggeber. Gott nutzt aber die Gemeinde um den individuellen Auftrag Einzelner zu entdecken, zu fördern und zu bestätigen. Als Gemeindeleitung sind wir offen für neue Dienstplattformen und für das Aussenden von berufenen Menschen (vgl. Apg. 13,2-3). Seine Liebe lässt uns tätig werden und für andere einstehen. Dabei sind wir in seiner Vollmacht unterwegs und wissen, dass er hinter uns steht. Er bringt zum Ziel, was er mit jedem einzelnen und mit uns als Gemeinde vorhat. Jesus am Werk zu sehen, bringt die Realität Gottes in alle unsere Lebensbereiche. Das ist uns kostbar.

  „Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein.“   Mt. 5,14 (ELB)

Etwas Kostbares wird würdevoll behandelt und nicht in der Abstellkammer vergessen. Wir sind so kostbar in Jesu Augen, dass er uns einen Platz in der Öffentlichkeit gibt. Er stellt uns als Zeugen zu Menschen, die ihn noch nicht kennen. Sein Geist ist dabei das Licht, das durch unser Leben scheint (vgl. Apg. 1,8).

Dieser öffentliche Ort muss nicht von uns produziert werden. Wer sichtbar lebt, lebt authentisch. Das bedeutet: Wir suchen in unserem Alltag mehr und mehr Jesu Herrschaft. Und: Wir grenzen uns nicht selbst ein, sondern leben in den Grenzen des persönlichen Auftrages Gottes. Dabei brauchen wir nicht jemand anderes zu sein, als wir selbst. Wir folgen nicht unseren Idealen, sondern den Impulsen Gottes in unserem Alltag. Dabei geht es darum, Ängste vor menschlichen Reaktionen zu überwinden. Angst verleitet uns zum Versteckspiel. Jesus durchbricht das.

Er kennt unsere Ängste und hilft uns, sie zu überwinden. Ängste lassen uns zurückhaltend leben. Jesus ist gekommen, um uns in unseren vollen Stand vor Gott zu führen. Sichtbarkeit bedeutet, sich nicht mehr von eigenen Ängsten den Platz weisen zu lassen, sondern an Jesu Hand überwinden zu lernen.

Wir brauchen uns auch nicht darin zu verbiegen, wie wir mehr Öffentlichkeit erreichen können. Wo wir im Kleinen treu sind, wird uns Gottes Geist über Größeres setzen (vgl. Lk. 16,10).

Als Gemeinde Jesu können wir uns nicht zurückziehen oder verstecken. Wir wissen, dass Jesus Menschen zu sich ruft, die ihn nicht kennen. Unsere Gottesdienste und unser Auftreten sollen so gestaltet werden, dass auch Kirchendistanzierte verstehen, um was es uns geht. Gemeinde mit Öffentlichkeitscharakter bedeutet, dass Jesus entscheidet, wen er uns zur Seite stellt und nicht unsere persönliche Befindlichkeit. Wir rechnen auch mit unbequemen und schwierigen Begegnungen und Situationen. Sie werden unseren Horizont weiten, uns mutiger machen und helfen, die Menschenfurcht abzulegen.

Gemeinde mit Öffentlichkeitscharakter ist in Veränderung, weil neue Menschen auch neue Möglichkeiten und Herausforderungen mitbringen. Die Nahbarkeit und Kostbarkeit, die Jesus schenkt, öffnet uns für Menschen. Wo nötig, sind wir bereit auch liebgewordene Traditionen dafür aufzugeben.

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